Fuzz Manta + Highway Child im Vortex/Siegen am 14.05.2011

An diesem Samstagabend in Deutschland gab es für uns statt dem unerträglichen und kollektiven Hirnvernebelnden European Song Contest Popträllerliedgut im Eventdurchdreh Düsseldorf kernigen Rock dänischer Machart mit Fuzz Manta und Highway Child. Sozuschreiben Danish Dynamite im Doppelpack und dieses Pack veranstaltete und veranstaltet Rockmusikalische Vergangenheitsbewältigung der 1960er und 1970er, leckeres Bier in vielen neuen Fässern, sehr wohlschmeckend, und das im lauschigen 1970er Jahre Ambiente des Musikclubs Vortex im Siegener Stadtteil Weidenau.

Die acht Musiker luden ein zu einem Abend unter dem Musikmotto „warum kompliziert wenn es auch einfach geht“. Denn es ging um gemeinschaftliches Abrocken und Bewegungsapparat schütteln und rühren und da dieses ja zu vermehrter Schweißbildung beiträgt musste natürlich auch der Flüssigkeitshaushalt der rockenden Gemeinde ständig ausgeglichen werden. Das erfreute die Getränkekasse und alle Knochen, ältere und neuere, blieben heile, Rock`n Roll als Gesundheitsvorsorge.

Zuerst gab es anstelle von Lena Lene, statt Lena Meyer–Landrut eben Lene Kjaer Hvillum und ihre Jungs: zusammen heißen sie Fuzz Manta. Und dieser Name hat was: stammt zu 50 % aus dem Hause Adam und die andere Hälfte klingt verzerrt und verkratzt und wie der Sound der Vier, die erste CD dieser Formation trägt den Titel Smokerings. Hat auch was mit der Stimme von Lene zu tun: denn die klang rauchig kratzend ohne Husten, filterlos gelassen.

Es qualmte von Beginn an auf und vor der Bühne, denn das Zusammenspiel von Lene–Gesang, Morten Glod-Svensson am Bass, Pelle Moltke am Schlagzeug und Frederik Jensen an der Fender passte ohne Wackelkontakt, sie gaben alles und das war neben dem Rock auch der Blues, alles so weit im Garagensound, sicher geparkt.

Der Mann ohne Gesicht wurde uns vorgestellt: Man With No Face, von ihrer neuesten 2011er CD Opus II, eine interessant gestaltete Komposition, zeitweise gnadenlos nach vorne rockend mit feinem Fenderkrach. Lenes Stimme konnte man inmitten mal einige Zeit unplugged vernehmen und nach furioser Fahrtaufnahme wurde wieder gebrettert.  Lithia´s Box, der nächste Rocker, stand auch nicht rum sondern fuhr mit uns Schlitten, in einem ganz feinen Schlitten. Frederik solierte prächtig, die Fender biss gemein zu und fuzzte ordentlich, das Powerpack Morten und Pelle hielten das Steuer auf Geradeausfahrt und Lene verzurrte mit ihrer Stimme den Song in der rechteckigen Garage.

Wir hörten und sahen noch Mysterious Thoughts, einen mittelschnellerRocker, der die Gedanken auf das Wesentliche lenkte. Spaß und Freude um mich rum und Motuman steuerte in die gleiche Richtung, die Bewegungsschärfe beim rocktrunkenen Publikum aus der Siegener Gegend und dem Rheinland nahm immer weiter zu, genauso wie die Bewegungsschärfe meines DSLR Kamera Bodys aus dem Hause C. mit dem Objektiv aus dem Hause T. Diese Zusammenarbeit ließ sich hinterher einigermaßen betrachten, obwohl die Pixel teilweise einen ganz schönen Rausch besaßen, aber es ist für mich immer wieder verblüffend, was heutzutage so blitz-los möglich ist.

Der Urknall für mich war das Ende, denn es nahte: Let Me Walk fing verspielt rockend an, die Männer hauten uns im weiteren Verlauf ihre Solis unter die Kinne, Pelle mit und ohne Sticks, Morten prüfte die Reißfestigkeit seiner Basssaiten und dann das Break….ab dort biss uns der Blues in die Gelenke in Form sehr schön schleppender Fenderriffs aus den Gelenken des Frederik Jensen, Lene rauchte und säuselte und kratzte diesen Blues bis zum bitteren Ende durch, bitter für uns, leider war’s der Finalsong. Die Musiker erhielten reichlichen und verdienten Applaus und verdienten auch anschließend an ihrem Merchandisingstand reichlich, völlig verdient!

Begeistert von Darbietung und Stimmung unterhielten wir uns in der Umbaupause mal wieder darüber, warum ist es an der Sieg so schön ist, es muss irgendwie auch an der Rockmusik liegen…

Um 23 Uhr war der Bühnenboden bereitet: ihn betraten vier Herren mittleren Alters, Patrick Heinsøe am Gesangsmikro und ab und zu Akustikgitarre und Harp, Paw Eriksen spielte die laute Gitarre aus dem Hause Gibson, Andreas Henriksen besetzte den Hocker hinterm Schlagzeug und Christian Norup umgurtete sich mit der Bassgitarre. Diese Vier machten uns anderthalb Stunden lang bis zum Garaus nieder…. ich kannte vorher die erste CD der Jungs, die bekam mir zwar gut aber sättigte mich nicht richtig, aber live: meine Fresse, servierten die eine Hauptmahlzeit ohne Vorspeise in höchster Lukullität.

Und der Nachtisch spielt jetzt die erste Geige in meinem Bericht, denn was für ein Nachschlag: Kick Out The Jams von MC 5 kochte uns aus, was für eine Show, und fast alle der vor der Bühne versammelten Rockfamilie schrien den Refrain mit: Yes, Kick Out The Jams. Wie heißt es so treffend im Text: Well I Feel Pretty Good And I Guess That I Could Get Crazy Now. So isses, die Musiker gaben nochmal alles und waren hinterher alle, das Publikum genauso, die Jungs wurden durch heftige Merchandisingstand- Erstürmungen auch reichlich belohnt.

MC 5, Kinks, Led Zeppelin und Jimi gehören zusammen mit Garagensounds und bluesigem Rock aus der meiner Meinung nach kreativsten Zeit der Rockmusik zur täglichen Nahrungsaufnahme der Band, sie verspielen das alles zu einer vorzüglichen Mahlzeit.

Das erste Lied ihrer neuen und dritten CD, Something New To Get Fooled By, marschiert auf dem Silberling gut nach vorne, aber live: die 4 Minuten Fassung der CD wurde so ausgewalzt das auch die Wände des Vortex schwitzten, sehr gut vorgewärmt waren sie ja schon und die Feiermeute machte hin und kriegte anschließend den Blues, Hangman`s Blues, einen stampfenden Feierblues mit Mitgröhlteil.

Shades Of Blue riffte uns locker weiter: auch dieser Titel verlängerte sein Dasein auf der CD live in beträchtlicher Weise durch phantastische Gibsonlaute, diese arteten durch Paw zu einer Saitenorgie aus: er spielte mit jeder Faser seines Körpers mit, das war so ein Stromgitarrensolo das nie aufhören sollte, wir waren beim dritten Lied und es war 23 Uhr 35!!

Überall um mich rum ging der Pank ab, die 4 Jungs blieben auf den Teppichen unter ihren Füßen. Ein Teppich wollte auch mal fliegen fand aber den Halt wieder und weiter ging die wilde Fahrt der Kinder der Autobahn: On The Road Again. Es gab natürlich auch den feinen Rocker Highway Child: “ Shake It Baby, I`m Your Highway Child“ . Der eskalierte in seinem Finale zu einer gezähmten The Who Einlage ohne zertrümmerte Gitarre, die Spielmänner lagen uns zu Füßen und ließen einfach nicht nach, es war der Rockhimmel auf Erden.

Love For Sale war eine Offenbarung und Lehrstunde in Sachen „wie sollten und müssen in der Rockmusik Bass und Schlagzeug ein Lied nach vorne punchen“, Andreas und Christian zeigten uns wie sich das anhört, Christian verbasste in reißender Manier 2 Saiten während des Vortrags und einiges von Andreas Schlagzeug sank durch seine Behandlung auf den Boden. Patricks Kopfbedeckung suchte den Weg nach unten, er sang und rockte sich die Melone vom Schädel und Paw verübte einen Anschlag nach dem anderen mit seiner Gibson auf uns Bedauernswerte, bedauernswert war das nahende Ende eines phantastischen Konzertabends.

Es war ein teurer Abend für mich, einiges von meinem Geld gelangte in die Kassen der Musiker durch den Kauf einiger CDs, das Superbenzin für ca. 260 km hin und zurück haut mittlerweile auch ein großes Stück aus dem Konzertgehbudget, aber was soll`s wenn so ein Ergebnis und Ereignis meinen musikalischen Horizont erweitert.

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