Jimi Barbiani Band in der Blues Rock Garaasj in Geleen/NL am 15.01.2011

Bei der Suche im www nach für mich neuer und/oder unbekannter Musik(er) geriet ich an eine mit Herzblut geschriebene Rezi  des Silberlings Back on the tracks der Jimi Barbiani Band. Anschließend klickte ich auf ihre MySpaceseite und dort hörten meine Ohren mal wieder einen für mich musikalischen Urknall von knapp 29 sekündiger Dauer…..diese 29 Sekunden reichten mir völlig, sie reichten völlig zu der Erkenntnis: da musste hin, zum Auftritt der Jimi Barbiani Band, nach Geleen, unbedingt.

Schon diese 29 Sekunden zu Anfang ihrer Komposition I feel so lonely, dieses sehr grobe und bei mir Holzraspelhaut verursachende, sägende bluesrockige Masterriff, die anschließend einsetzenden Bassriffs und Schlagzeugprügeleinheiten und zur Krönung die dazu kräftig röhrende Stimme zwangen mich förmlich zu einer Fahrt von Hilden nach Geleen, einem Stadtteil von Sittard, gelegen in den Niederlanden……und wie schon so oft in meinem Leben: on the road again für gute Musik.

Ihr einziger Auftritt in einer einigermaßen erreichbaren Entfernung führte nach dem Verlassen der Autobahn vorbei an einem riesigen Areal der chemischen Industrie in die Burg. Lemmenstraat zur Blues Rock Garaasj und die Chemie dort stimmte: allgemein und in der Band und zwischen der Band und dem Publikum. Das Lokal ist äußerst liebevoll bikerlike eingerichtet, veranstaltet im Jahr einige Konzerte in der Kategorie Bluesrock und Artverwandtes. Die Besitzer und das Personal sind ausgeschrieben klasse und sehr freundlich und genauso gut drauf wie die ca. 50 versammelten Zuhörer, und: der Eintrittsobulus betrug 5 €!!

Apropos Chemie, es wurde ein äußerst giftiger Abend in Bezug auf die gespielte Musik, auch süchtig machend, man was war das für eine Truppe da auf der Bühne. Diese stammt komplett aus Italien und mixte uns die toxischen Heilmittel in einer ausgewogenen Mixtur zusammen. Die Arzneien bestanden aus Blues und Rock als Hauptzutaten und diversen Prisen aus Jazz, Folk, Soul und Funk und das Ganze fusionierte auch mal zwischendurch.

Um kurz nach 22 Uhr schnallte sich Jimi Barbiani seine Gibson Les Paul um, das Slideröhrchen kam auf den linken kleinen Finger und dann schoss er uns ein slidigräudiges Boogieintro unter unsere Füße und diese stellten für die nächsten 120 Minuten den Stillstand ein, sie wurden förmlich dazu gezwungen…..Fußmassage auf italienische Art.

Zu Jimi gesellten sich, ich muss ihn so benennen, das Schlagzeugtier Elvis Fior, – mein lieber Mauro Magellan (Dan Baird & Homemade Sin), da hast du in punkto aufs Schlagzeug einprügeln ernsthafte Konkurrenz bekommen, siehe hier: https://psychostonerboogie.com/2020/11/09/mein-erster-photopass-dan-baird-and-homemade-sin-am-09-11-10-in-der-zeche-bochum/#more-234

Elvis hat alle Takte drauf, das hörten wir auf beeindruckende Weise bei seinem Schlagzeugsolo im letzten Drittel des Konzerts und der von Jimi als Lemmy look-alike bezeichnete Bassmann Daniele Vicario ließ gleich mal Bassläufe raus die sich nicht gewaschen hatten, ein perfetto Duo.

Jimi, Elvis und Daniele brachten den Boogieexpress nach einigen Minuten zum Stillstand, der Stimmungsmultimeter für die Kneipe schlug schon jetzt in Richtung Anschlag aus und nun betrat auch J.C. Cinel die Bühne,. Der Sänger und gelegentliche Harpspieler des Vierers hat die haargenau passende Stimme zu dieser und der anderen heute und auf der CD gehörten Musik und mit I feel so lonely von ihrer soeben erschienenen ersten CD Back on the tracks, die übrigens in einer äußerst edlen Verpackung daherkommt: knallrotes Digipack mit mehrseitigem Booklet und Samtimitat außen, das Auge kauft ja auch mit, und der Inhalt steht der Verpackung in nichts nach, spielten die Jungs schon zu Beginn sich und uns den Adrenalinschweiß u.a. auf die Stirn, und direkt anschließend brodelte es sofort weiter mit dem Rocker Party angel, Riff uno due tre und ab ging der Rock`n Roll Reigen, Paaaaarty im wahrsten Sinne des Titels.

Die Band existiert seit 2009, Elvis und Daniele waren unbeschriebene Musiker für mich, Jimi war lange Jahre Songschreiber und Gitarrist bei den italienischen Jamrockern W.I.N.D. und Signore J.C. Cinel eine Zeit lang Sänger bei den italienischen Heavy Progressivrockern Wicked Minds , ein Grand mit allen Vieren hat sich da zusammen gefunden.

Mit Weeping sky zelebrieren sie uns danach für ca. 10 Minuten eine raumgreifende Ballade, J.C. singt die Seele in diesen Song, Daniele und Elvis grundieren den Raum und Jimi hält, greift und zieht die großen rockmusikalischen Gitarrenfein- und gemeinheiten aus den Saiten der Les Paul, seine Musiktruhe mit relevanten Riffs und Licks ist reichlich gefüllt, mozzafiato.

Southernfeeling Allmänner Art bescheren uns die vier mit dem Good time man, oh man, das fließt mit einer Leichtigkeit von der Bühne, wunderbar.

Für das folgende Instrumental Good morning fusionieren Jimi, Daniele und Elvis den Rock und Blues zeitweise mit Jazz und wie kommen die drei aus dieser Nummer wieder raus?

Mit Leichtigkeit….die Riffs werden härter und rockiger und bluesiger, eine rasante elfminütige Lesung aus dem Jambereich.

J.C. intoniert vor der Pause noch Sympathy for the devil und La Grange, die beiden Klassiker gibt’s in gestrafften Versionen und danach ist Zeit und Muße, das gehörte zu verarbeiten und mit Gleichgesinnten darüber zu sinnieren. Mit ihrer Managerin Mariachristina Piccini, die perfekt deutsch spricht, kann ich mich auch kurz unterhalten, ihre frohe Botschaft lautet, wir kommen im Mai / Juni wieder in die Gegend…..es gibt einige Anfragen, kein Wunder bei der Klasse der Band.

Mit Streets of love startet das Quartett nach der Pause, J.C. spielt die Harp dazu, ein schöner Countryfolkblues und mit You don`t know wird das Gaspedal funkrockig und kräftig durchgetreten, das Ganze mündet dann in das oben schon angeschriebene Schlagzeugsolo.

Zwei Coverversionen besonderer Art verfolgten den Funk: man verabreichte uns ein bisschen Soul, Stevie Wonder schrieb Superstition und die Barbiani Band gab diesem Stück sehr eigene Noten, und der Jeff Beck Slowblues Brush with the blues gab ihn uns, den Blues, Jimi diesmal mit der Fender. Er zog die Saiten mit den Fingern und in seinem Gesichtsausdruck, völlig versunken im Sound, wir auch, was für ein Machwerk, boah! Der Applaus erreichte auf dem Multimeter gerade noch messbare Werte.

Sammeln.

Sandra Ann Mathilde Nijssen, genannt Sammie, Bassistin der niederländischen Band Red Pepper Blues Explosion weilte im Publikum, wurde von der Band auf die Bühne gebeten, kurze Rücksprache – was spielen wir? – und ohne J.C. gaben sie uns wieder den Blues. Eine feine Covercersion des Bonnie Raitt Titels Love me like a man, und neben Bass kann Sammie auch gut singen.

Wieder mit J.C. hinterm Mikro kredenzten uns die Jungs danach die andere Coverversion ihrer CD, die Bärteballade Sure got cold after the rain fell vom Album Rio Grande Mud, die durch das Hinzufügen von Cinelschen Harpattacken einen satteren Inhalt bekam und das Les Paulsche Slidesolo zum grandiosen Finale hin wurde mit tosendem Applaus von 48 niederländischen und 2 deutschen Fans belohnt.

Der Teufel kam zum Schluss auch noch ins Spiel: einem gesungenen Intro folgte wieder so ein Bluesrocksägeriff, J.C. sang uns I got the devil, Daniele und Elvis hielten den Bluesrocker auf geradem Pfad und Jimi slidete den Song in Grund und Boden.

Was für eine Show, grandios.

Vor dem Nachhauseweg gab’s für die restlos begeisterte Schar noch richtig was auf die Ohren: der Jumping Jack Flash ging pausenlos rüber zu Hey Joe.  Vater Barbiani war großer Hendrixfan und gab seinem Sohn den zukunftsweisenden Vornamen und Jimi Barbiani zog noch mal alle Saiten bis an ihre Grenzen. Entlassen wurden wir mit dem Bad Company Titel The hunter, die Band verbeugte sich vor uns und wir uns vor ihnen.

Ich erstand natürlich noch ihre CD mit allen Autogrammen versehen und um es mit dem leicht abgewandelten Freddy Quinn Titel, aber wirklich nur mit dem Titel zu schreiben: Jungs kommt bald wieder, bald wieder zurück.

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