Johnny Winter & Band + Eric Sardinas & Big Motor in der Grugahalle Essen am 04.11.2008

Eric Sardinas spielt leise……geht also auch! Als ich ihn mit seinen damaligen Mitstreitern in den Jahren 2002 und 2003 live in der Bochumer Matrix  erlebte und vor allen Dingen “ hörte “ war ich eher skeptisch vor seinem heutigen Supportgig mit seiner Band Big Motor: damals war es so laut, das ich mir mein Gehör nicht noch mehr verpfeifen wollte und machte selbiges nach dreiviertel Konzert. Der Sound war heute Abend kräftig und glasklar, mein großer Dank geht an den Soundmann, der wohl noch nicht taub ist und keinen Brei zubereitete, Eric und seine Mitmotoren Levell Price am Bass und Bernie Pershey am Schlagzeug spielten erste Liga Dobroslidegitarrenbluesrock, hatten an diesem Dienstag auch den zu ihrem Bedauern letzten Auftritt dieser Tour vor Johnny Winter.

Eric, Levell und Bernie knallten uns eine Stunde kurz was vor den Latz, Stücke ihrer gleichbandnamigen CD und Klassiker des Blues wie „Can`t Be Satisfied“ von Herrn Dixon und „Come On In My Kitchen“ von Robert Johnson:  bei diesem Stück trampelte Sardinas den Rhythmus, das Tony Joe White Lied „As The Crow Flies“ auf einer Dobro machte auch ganz schön was her und zum Schluß verneigten sich die drei vor Jeff Healey und spielten den „Roadhouse Blues“ im Healey Style!

Rückbliende: am 22.04.79 war eines „der“ Rockpalast Konzerte für mich überhaupt, an gleicher Stelle und mit dem gleichen Gitarristen aus Beaumont/Texas: in der Grugahalle in Essen praudlie priesentete Schörmän Telewischen Johnny Winter und seine damalige Band mit Jon Paris an Bass, Gitarre und Harp und Bobby Torello am Schlagzeug. Dieser Auftritt war ein bleibendes Erlebnis für mich und viele andere.

29 ½ Jahre und viele, heftige Krankheiten und Drogen später nun wieder Texasblues – und Bluesrock in dieser Halle: dabei waren diesmal Bassist Scott Spray und Schlagzeuger und Sänger Wayne June, mittlerweile seine Stammband.

Vorher noch dieses: in einem Text einer meiner Lieblingsbands, Knorkator, das Lied nennt sich „Für meine Fans“ gibt es eine Textzeile, die von mir etwas „angepasst“ lautet: doch alles was ich seh bei unseren Konzerten sind viele ältere Männer mit Bärten.

Passte hier und heute abend.

Los ging`s aber erstmal mit Paul Nelson an der Fender, der ist seit einiger Zeit Manager und Freund des Herrn Winter und führt ihn an den Untiefen des Business vorbei. Er spielt auch nicht schlecht wie wir hörten: ein Bluesrockinstrumental. Nach ein paar Minuten erschien dann der 64 jährige Johnny Winter am Bühnenrand, ging alleine zu seiner Sitzgelegenheit, (vor zwei Jahren in Tegelen beim Bluesrockfestival musste er noch dahin geführt werden), griff sich seine Lazer Gitarre und die Vier beendeten das Instrumental.

Respektvoller Applaus erschallte für Johnny. Da sitzt nun mal einer derjenigen weißen Bluesmänner überhaupt: er krähte ein paar Worte vor dem ersten Stück. Die ca. 700 Zuhörer warteten nun gespannt wie die Saiten seiner Lazergitarre und der Freddie King Knaller „Hideaway“ ertönte wie eh und je, nach einigen Tönen wussten wir alle hier versammelten: Johnny ist in Form, hier und heute Abend, immer noch, wunderbar.

Wieder gab`s respektvollen Applaus für Johnny und Band und nach einem Schluck aus der Wasserpulle gab`s anschließend einen Boogie: „Sugar Coated Love“ groovte wie die sprichwörtliche Sau.

„Boogie Real Now“ folgte auffällig, Johnnys Begleitmusiker Scott und Wayne waren wie der Meister gut drauf auf den Saiten und Fellen, das passte perfekt, großes Kompliment.

„Black Jack“, eine Komposition von Ray Charles, war das nächste Highlight: Johnny slowblueste zum Niederknien, seine brüchige Stimme passte genau hinein in die Geschichte über das Spiel mit den Karten und sein Gitarrenspiel ist immer noch respekteinflößend flüssig, ohne Schnörkel und wildes Getue, der kann das wie nur eine Handvoll anderer Bluesmänner…..Er hat viel Spaß, das merkt man hier im Saal überdeutlich.

Wieder ein Schluck für Johnny und mich und weiter geht`s mit „Tore Down“, das von Johnny geprägt und von Schlagzeuger Wayne gesungen wird.

„Mojo Boogie“ als nächstes lässt die Füße der Anwesenden tanzen, was auch beim nachfolgenden „Lone Wolf“ geschieht, einem Bluesrocker seiner letzten CD/LP „I`m A Bluesman“.

„There`s A Red House, Over Yonder“, die erste Zeile des Hendrixklassikers kräht Johnny heraus und der Abend bleibt musikalisch weiter auf Feierniveau, ich bin begeistert.

Lang anhaltender, tiefverneigender, respektvoller Applaus vom Auditorium für dieses Gitarrenspektakel, für den für mich neben Rory Gallagher, Peter Green und Stevie Ray Vaughan „größten“ weißen Bluesgitarristen, Punkt!

Danach bringt Eric Sardinas Johnnys berühmte Gibson Firebird auf die Bühne, Johnny spannt sich den Gibson Gurt um, Paul Nelson gesellt sich dazu, er mit seiner Fender und Eric Sardinas greift sich seine Dobro und die Dreigitarrenarmee haut den Klassiker „It`s All Over Now“ aus den Saiten, jeder soliert mal während des Stückes, was für ein Abschluß!

Aber doch noch nicht ganz, Johnny und Scott und Wayne fuhren dann ganz zum Schluß noch wie erwartet und erhofft über den Dylanschen „Highway 61“. Johnny slidete den Song famos bis zum Ende eines Konzerts, das mir auch ein erliche Freudentränen aus den Augen trieb. Auch dafür, das die Bluesrockikone John Dawson Winter III noch einiges bewegt…..Ich wünsche ihm noch ein langes Leben und für uns Konzertisten noch etliche Auftritte dieser Formation.

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